KUNST IN PROJEKTEN (KUSCH, 2008-2010)

www.kunst-in-schulen.eu

EU-Förderung für spezielle Projekte in Schulen KUSCH (Kunst in Schulen)

Das Projekt wird in den Jahren 2008-10 durch das EU-Programm Comenius gefördert. Es zählt damit zu einem der 30 Projekte, die von der EU-Kommission 2008 aus 142 ausgewählt wurden. Für den Grad der Innovativität erhielten wir 4,5 von möglichen 5 Punkten.

Die Idee, Kunst im sozialen Brennpunkt mit Malerei und Musik in Wechselwirkung zu betreiben, ist also auf ein großes öffentliches Interesse gestoßen und soll in europäischer Dimension umgesetzt werden.

Die Initiative geht vom Fachgebiet Malerei (Prof. Dr. Ulrika Eller-Rüter) und dem Institut für Kunst im Dialog (Prof. Dr. Michael Brater) der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft aus.

Die Alanus Hochschule kooperiert mit vier europäischen Waldorfschulen, die von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen besucht werden. Neben der für Roma-Kinder gegründeten Waldorfschule in Rosia/Rumänien sind die Waldorfschule in Szombathelyi in Ungarn, die Parzivalschool in Antwerpen/Belgien, die Interkulturelle Waldorfschule in Mannheim weitere europäische Partner. Für die Evaluation ist außerdem die Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung GAB in München beteiligt.

An den Partnerschulen werden jeweils Kunstprojekte für die Schüler unter Leitung der Künstler der Alanus Hochschule durchgeführt.  Weitere Ziele sind die Einrichtung einer dauerhaften europaweit zugänglichen künstlerischen Weiterbildung für Lehrer bzw. einer pädagogischen Weiterbildung für Künstler, die Gründung eines europaweiten Netzwerks von Schulen, die mit künstlerischen Methoden insbesondere benachteiligte Kinder und Jugendliche fördern wollen.

Ziele des Projekts im EU-Kontext

Künstlerisch wird die Idee des Erweiterten Kunstbegriffs direkt überführt in die Wirklichkeit sozialer Brennpunkte und erhält hier unmittelbar soziale Bedeutung als Impuls der Selbst und –Sozialgestaltung. Zentral ist dabei die  Wechselwirkung der Künste, insbesondere von Musik und Malerei, die zum ersten Mal nicht nur als kunstimmanentes Thema behandelt werden soll, sondern in ihrer anthropologischen und gesellschaftlichen Dimension.

 

Wissenschaftlich soll das Projekt das bisher noch unzureichende Wissen über die pädagogische Wirkung von Kunstprojekten und –übungen und die Fähigkeitsentwicklung durch Kunst erweitern und damit für die Benachteiligtenpädagogik wesentliche Orientierungshilfen bieten.

Sozialpolitisch soll eine wichtige neue bzw. ergänzende Methode zur Verbesserung der Bildungschancen, der Lernfähigkeit und der sozialen Kompetenz sozial und kulturell benachteiligten Kinder und Jugendlicher mit Lernbeeinträchtigungen überprüft und verbreitet werden. Ziel ist dabei, die schulische Lage dieser Kinder und Jugendlichen ebenso wie ihre Zukunftschancen zu verbessern.

Praktisch wird das Projekt die europäische Schullandschaft bereichern um die Einführung der Kunst als bisher weniger beachtete Methode der schulischen Benachteiligtenförderung. Außerdem soll ein Handbuch zur schulischen Nutzung dieser Methode entstehen, ein neues Angebot für die Lehrerweiterbildung und ein fachpädagogisches Netzwerk von Schulen, die mit künstlerischen Methoden arbeiten bzw. arbeiten wollen.

Pädagogisch soll das Projekt das schulische Angebot für benachteiligte Kinder und Jugendliche erweitern durch eine unmittelbar persönlichkeitsbildende Komponente in Form von künstlerischen Übungen und Aktionen. Es geht darum, breite Erfahrungen zu sammeln mit der Entwicklung, der Handhabung und dem methodischen Einsatz solcher künstlerischen Mittel in allgemeinbildenden Schulen bzw. bei der Förderung und Integration benachteiligter Kinder und Jugendlicher.

Was wird gemacht?

Tuchmalerei

Im Projekt werden Wege entwickelt, erprobt, evaluiert und verbreitet, sozial und kulturell benachteiligte bzw. lerneingeschränkte SchülerInnen mit Mitteln der Kunst zu fördern und kulturell zu integrieren. An den Partnerschulen werden unter Lernbegleitung durch pädagogisch erfahrene professionelle Künstler (Maler, Musiker, Bildhauer und Schauspieler) der Alanus Hochschule zusammen mit den SchülerInnen und Lehrern der Schulen komplexe Kunstprojekte entwickelt, über zwei Wochen durchgeführt und in Ausstellungen o.ä. präsentiert.

Was soll erreicht werden?

Wandmalerei

Jede Partnerschule des Projekts arbeitet mit SchülerInnen, die zu diskriminierten ethnischen Minderheiten gehören und/oder sozial benachteiligt sind und erhebliche Lernbeeinträchtigungen aufweisen. Soziale Integration, Lernen und Zukunftschancen dieser Schülerinnen und Schüler sind erheblich gefährdet u.a. durch fehlende soziale Kompetenzen, hohe Gewaltbereitschaft, Entmutigung, Versagerselbstbilder, vielfältige Lernwiderstände, Ängste und Mangel an Eigeninitiative; sie befinden sich im „Teufelskreis der Benachteiligung“.

Diese diskriminierten und benachteiligten SchülerInnen werden von den Schulen in ihrer persönlichen Entwicklung gefördert bis hin zur Berufs- und Arbeitsmarktreife als Voraussetzung ihrer sozialen und beruflichen Integration. Die beteiligten Schulen experimentieren dazu bereits mit neuartigen Unterrichtsformen und Elementen des Handlungslernens. Von den Kunstprojekten erhoffen sie sich eine entscheidende Ergänzung und Erweiterung ihres Repertoires vor allem im Bereich der Förderung personaler und sozialer (Schlüssel-)Kompetenzen. Denn gerade mit künstlerischen Mitteln können Initiative, kulturelle Ausdrucksfähigkeit und Kreativität der SchülerInnen gefordert, Versagensselbstbilder überwunden und Freude am Lernen und Lernkompetenz (wieder) geweckt werden. Das aber sind persönliche Voraussetzungen für bessere Schulerfolge und damit für wachsende Integrationschancen.

Die Kunstprojekte sollen den Schulalltag durchbrechen und den Schülern Gelegenheit bieten, neue Fähigkeiten in sich zu entdecken und sich selbst als „Gestalter ihrer Verhältnissen“ zu erleben. Außerdem können durch Kunstprojekte soziale Kompetenzen nachhaltig gefördert werden.

Was steht dahinter?

Seit der Reformpädagogik wird immer wieder auf die Leistungsfähigkeit der Kunst in diesem Zusammenhang hingewiesen, ohne dass darauf bisher breit zurückgegriffen worden wäre. Das vorliegende Projekt macht mit diesem Ansatz ernst. Die Partnerschulen partizipieren an den vorliegenden Erfahrungen mit künstlerischen Ansätzen, übertragen sie auf ihre spezifischen Bedingungen und bauen sie in ihren Lehrplan ein, um damit die Qualität ihrer pädagogischen Konzepte nachhaltig zu steigern.

Künstlerisch wird die Idee des „erweiterten Kunstbegriffs“ (J. Beuys) direkt übergeführt in die soziale Wirklichkeit sozialer Brennpunkte und erhält hier unmittelbar soziale Bedeutung als Impuls der Selbst- und Sozialgestaltung. Damit verwirklicht dieses Projekt ein Kernanliegen der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, die seit vielen Jahren auf diesem Gebiet forscht und junge Künstler für solche Tätigkeitsfelder aus- bzw. weiterbildet.

[Quelle: http://www.kunst-in-schulen.eu/]